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Arzthaftungsrecht

Fehldiagnose

Arzthaftungsrecht: Ungenauer Aktenvermerk des Arztes erschwert die Durchsetzung von Schmerzensgeldansprüchen

 

Im Rahmen von Kontrolluntersuchungen wurden bei unserem Mandanten Leberwerte genommen, die auffällig waren. Auf Befragung des Arztes gab der Mandant an, er würde immer einmal die Woche mit seiner Frau Essen gehen und dabei ein bis zwei Bier trinken. In der Akte vermerkte der Arzt daraufhin leider, dass der Mandant angegeben habe, ein bis zwei Bier zu trinken, wobei das Wort wöchentlich eben gerade nicht vermerkt wurde. Davon ausgehend, dass der Mandant also vermeintlich täglich Alkohol konsumieren würde, wurden die schlechten Leberwerte mit diesem Alkoholkonsum erklärt und weitere Behandlungen oder eine Abklärung der schlechten Leberwerte unterlassen. Die bei Mandantin bestehende Lebererkrankung wurde so vorerst nicht erkannt.

In dem von uns später geführten gerichtlichen Verfahren wurde ein Sachverständigengutachten zur Frage eingeholt, ob die auffälligen Leberwerte nicht hätten früher abgeklärt werden müssen. Auch der Gutachter berief sich zunächst auf den Eintrag in der Patientenakte, dass täglich Alkohol konsumiert werden würde. Dabei wurde unterstellt, dass aller Erfahrung nach deutlich mehr Alkohol getrunken wurde, als von den Patienten angegeben. Es bedurfte daher nicht nur einer erheblichen Überzeugungsarbeit, sondern auch einer Beweisaufnahme um letztlich festzustellen, dass die ursprüngliche Angabe des Mandanten den Tatsachen entsprach.

Der Sachverständige bestätigte schließlich den Behandlungsfehler des Arztes, der bei richtiger Würdigung der Aussagen des Mandanten die auffälligen Leberwerte hätte abklären müssen. Leider verstarb unser Mandant bevor die Frage geklärt werden konnte, ob eine frühere Abklärung der Leberwerte und eine damit zusammenhängende angepasste Behandlung den Krankheitsverlauf hätte verändern können. Die Erbin verzichtete auf die Fortführung des Prozesses.

(Landgericht Nürnberg-Fürth; Az: 4 O 6754/11)